„Es muss nicht alles perfekt sein, sonst geht viel Charme verloren“

-Anja

In der Camper Community gibt es viele authentische Menschen mit verrückten Hobbys. Genau das macht die Szene so interessant und abwechslungsreich. Und: es stellt die Daseinsberechtigung für das Magazin 1camper dar. Ohne absurde Stories von Camper Umbauten, Fernreisen oder Life-Hacks gäbe es uns nicht.

Das Hobby von Anja aus Niedersachsen macht hier keine Ausnahme. Sie renovierte, oder wie sie es nennt „pimpte“, nicht einen, nicht zwei, sondern gleich drei alte Wohnwagen – wobei Letzterer noch einiges an Arbeit benötigt. Sie war so nett und hat sich meinen Fragen gestellt. Viel Spaß beim lesen.

Anja, du teilst seit Ende April den Fortschritt deiner Wohnwagen Umbauten mit deiner Instagram Community (@pimp_my_wohnwagen_). War das der Startschuss deiner Projekte? Wie bist du überhaupt zum „Wohnwagen-Pimper“ geworden?

Instagram war nicht ganz der Startschuss. Ich habe bereits über ein Jahr vor meinem ersten Post mit dem Umbau des ersten Wohnwagens begonnen. Das war im Januar 2017 mit einem Roller Palace 310 von 1985. Der Wohnwagen gehörte meinem Bruder und dieser wollten ihn verschrotten. Wasserschaden, Löcher. Morsche Substanz und muffiger Geruch im Innenraum – niemand dachte zu dem Zeitpunkt, dass man aus dem Wohnwagen noch etwa zaubern könnte.

Die Idee, daraus ein Umbauprojekt zu machen, entstand ganz spontan. Die Gelegenheit war da und ich dachte „den mach ich mir eben“ fertig. Ich bin mit Camping groß geworden und mag alte Wohnwagen. Unter anderem hat mich Fynn Kliemann inspiriert.

Welche Umbaumaßnahmen führst du selbst durch und was überlässt du lieber dem Fachmann?

Ich mache eigentlich alles selbst, bis auf die Elektrik. Die lasse ich von einen Fachmann installieren. Die Dekoration macht natürlich am meisten Spaß. Das dauert aber immer ganz schön lang bis es soweit ist. Generell steht bei mir der Spaß im Vordergrund. Der Umbau der Wohnwagen ist für mich ein Hobby. Wenn ich mal keine Lust habe, kann es auch passieren, dass ich einige Wochen nicht am Wohnwagen arbeite. Ich habe aber ja nie Zeitdruck, der Wohnwagen ist fertig, wenn er eben fertig ist.

Du bist inzwischen bei deinem dritten Umbauprojekt angelangt. Was machst du mit den ganzen Wohnwagen?

Keiner der Wohnwagen steht nutzlos herum. Alle haben TÜV und sind einsatzbereit. Der Roller Wohnwagen aus meinem ersten Projekt gehört mir. Damit gehe ich campen und auf Festivals. Oder ich verleihe ihn an Freunde und Bekannte.

Der zweite Wohnwagen, ein Knaus, gehört mir zusammen mit einem Freund, der mich bei meinen Umbauten unterstützt. Und der dritte, also das aktuelle Projekt, soll zu einem Fotocaravan umgebaut werden – mobile Fotobox für Events im Charme eines Retro-Wohnwagens.

Verkaufen könnte ich keinen, da steckt so viel Arbeit und Liebe drin. Das kann und würde auch keiner bezahlen. Mir steht ausreichend Platz für die Wohnwagen zur Verfügung. Sie sind in einer großen Halle untergebracht, die meinem Bruder und meinem Vater gehört. Beide haben eine große Leidenschaft für Oldtimer Autos.

Wieso eigentlich Wohnwagen und keine Wohnmobile?

Wohnmobile sind zu teuer. Ich hätte schon gerne ein Wohnmobil oder einen Camper aber das kann ich mir leider aktuell nicht leisten. Ein alter VW Bulli ist mein Traum oder ein schönes kleines Wohnmobil.

Du erzähltest im Vorfeld zu diesem Gespräch, dass du als Sozialarbeiterin tätig bist. Hat dein Job Einfluss auf dein Hobby? Wie schaffst du das alles überhaupt neben einem Vollzeit-Job?

Ich arbeite als Schulsozialarbeiterin mit einer 3/4 Stelle. Damit habe ich auch in den Schulferien ausreichend Zeit für mein Hobby. Ich mache mir aber keinen Stress mit meinen Projekten. Ich mache das ja für mich, somit sitzt mir kein „Auftraggeber“ im Nacken.

Mein Job ist oftmals sehr anstrengend und ich habe Abends kein fertiges Produkt vor Augen, wie z.B. ein Tischler. Durch meine Wohnwagen Umbauten sehe ich, was ich geschafft habe. Das ist eine angenehme Abwechslung zum Berufsalltag. Handwerken macht mir außerdem generell Freude.

Meine Familie hält mich natürlich für etwas verrückt. Sie konnten sich zuerst gar nichts darunter vorstellen. Sie kaufen lieber „neue Sachen“. Meine Freunde helfen mir gerne mal. Sie denken aber glaub ich auch, dass ich etwas verrückt bin. Mein Mann muss mir manchmal helfen, er ist der schon angesprochene Fachmann für die Elektrik. Ein sehr guter Freund hilft mir bei allen anderen Dingen.

Du wirst dir im Rahmen deiner Projekt so einige handwerkliche Skills angeeignet haben. Was ist dein Tipp an Einsteiger, die sich für ihr eigenes Umbauprojekt informieren?

Ich habe mir unendlich viele Videos bei YouTube zu dem Thema angeschaut und bin bei Facebook in diversen Gruppen. Ansonsten lebe ich nach dem Motto „versuchen macht klug“. Einfach ausprobieren und gucken was passiert. Ich kann von allem ein bisschen und „nichts“ perfekt. Den Anspruch habe ich aber auch nicht. Es muss nicht alles perfekt sein, sonst geht viel Charme verloren.

Du hast mit deinen drei Umbauprojekten bereits viel Erfahrung mit alten Wohnwagen gesammelt. Auf was achtest du beim Kauf?

Schwierige Frage. Ich bin zwar keine Fachfrau aber ich habe doch so ein paar Kriterien, auf die ich achte:
Der Wohnwagen sollte Papiere haben und natürlich nicht zu rostig sein. Wenn irgendwie möglich, sollte man Wohnwagen mit größeren Wasserschäden meiden. Sonst entsteht deutlich mehr Arbeit, da in diesem Fällen wirklich alles raus muss.

Meine Wohnwagen hatten bisher alle einen Wasserschaden. Der letzte Wohnwagen ist eigentlich eine absolute Katastrophe: Großer Wasserschaden und es hat sich alles Verzogen, auch die Seitenwände. Aber ich wollte ihn unbedingt, weil er noch echte Glasfenster hat und mir die Form so gut gefällt.

Ansonsten ist es immer gut, wenn Geräte wie Kühlschrank und Herdplatte noch drin sind. Elektrogeräte können in der Regel wieder verwendet werden. Eine Neuanschaffung ist sehr kostspielig.

Auf welche Werkzeuge kannst du nicht verzichten?

Hammer – zum raus hauen aller Sachen
Akkuschrauber
Schleifgerät
Rakel zum Folieren
Pinsel

Mein Problem ist, ich weiß die fachmännischen Begriffe für das ganze Werkzeug oftmals nicht. In meinen Instagram Post gebe ich den Teilen dann einfach einen Namen. Oft werde ich gefragt was für ein Holz hast du verwendet, oder was für ein Blech etc.? Für mich ist das alles Holz und alles Blech *lach*.

Erzähle uns doch mal von deinem bisher schwersten Unterfangen. Was genau wolltest du umbauen und auf welche Herausforderungen bist du gestoßen?

Das schwierigste Projekt ist bisher der aktuelle „Schrotthaufen“. Es hat sich einfach alles verzogen und ist instabil. Beim Transport über die Autobahn vom Käufer zu mir hatte ich schon Panik, dass der ganze Wohnwagen auseinander fällt. Das Projekt versuche ich gerade zu meistern und hole mir Hilfe von einem befreundeten Tischler.

Beim Knaus Wohnwagen sollte eigentlich nur die Decke erneuert werden. Während der Abrissarbeiten krachte plötzlich mein fleißiger Helfer durch den Boden. Danach hatten wir dann erst einmal 5 Wochen keine Lust mehr am Wohnwagen zu arbeiten *lach*.

Es lässt sich alles irgendwie meistern, man sollte sich nur nicht stressen. In verschiedenen Foren bei Facebook kann man immer nach Rat fragen und findet auch andere „Verrückte“ mit dem gleichen Hobby . Das motiviert ungemein und ist eine super Unterstützung.

Und ganz ehrlich, als mein erster Wohnwagen fertig war, konnte ich es selbst gar nicht glauben, dass ich das geschafft hatte. Natürlich mit Hilfe, aber es war meine Idee, meine Vision aus meinem Kopf, die so umgesetzt wurde.

Ich würde es immer wieder so machen und mache es ja auch – Wohnwagen Projekt Nummer 3 ist Realität.
Ich denke danach „darf“ ich mir erst einmal keinen weiteren holen. Das macht mein Mann nicht mit *zwinker*.

Wer drei Wohnwagen besitzt, wird sicherlich einige tolle Camping Erlebnisse zu berichten haben. Was war dein schönster Campingurlaub?

Ich liebe es auf Festivals zu fahren. Seitdem ich die Wohnwagen habe, ist die Lust noch größer geworden.
Zu Beispiel die Hurricane Deichbrand Festivals – einfach toll. Leider ist dort immer „Land unter“. Es regnet in Strömen. Im selbst umgebauten Wohnwagen zu schlafen ist dann einfach ein tolles Gefühl. Man wird nicht von den Fluten im Zelt mitgerissen. So passiert beim Hurrican Festival 2016.

Beim Festival Camping erlebt man viele skurrile Sachen. Dieses Jahr habe ich eine Gruppe junger Männer gesehen, die den ganzen Tag damit beschäftigt waren, ein Loch zu buddeln um deren Grundwasserpumpe anzuschließen. Die hatten gar keine Zeit für Konzerte. Die Jungs waren aber, glaube ich, vom Fach. Zumindest hatten sie eine Menge Werkzeug dabei. Das zu sehen war wirklich sehr lustig und natürlich ein klein bisschen komisch.

Mein Mann ist nicht mit Camping groß geworden. Ich muss ihn langsam an das Thema heranführen. Wir planen fürs nächste Jahr eine Route durch Holland oder Norwegen.

Ich liebe das Campen einfach. Wahrscheinlich aber auch weil ich damit aufgewachsen bin. Meine Eltern sind mit 4 Kindern auf sämtlichen Campingplätzen gewesen und für uns Kinder war es immer toll: Die Natur, die Menschen, die Offenheit und Freundlichkeit unter den Campern. Ich will es nicht missen.

Was mich persönlich zum Schluss am meisten interessiert: werden wir von dir in Zukunft noch weitere Projekte sehen oder verabschiedest du dich nach deinem dritten Wohnwagen Umbau erst einmal in den wohl verdienten Urlaub?

Mein dritter Wohnwagen wird noch lange von sich hören lassen. Aber auch danach wird es um mich herum nicht still werden, da dieser Wohnwagen, wenn er denn fertig ist, auf verschiedenen Events stehen soll. Wer weiß vielleicht folgt noch Wohnwagen Nummer 4 *zwinker* ein alter Airstream. Ich könnte mir aber auch einen Camper oder Wohnmobil vorstellen. Ich möchte gerne und viel reisen, bin aber auch hier sehr spontan.

Das Interview führte Clemens von 1camper. Bildmaterial: Anja, pimp_my_wohnwagen_@instagram.