Egal wie, einfach machen!
– Anja und Jochen

Anja und Jochen aus Regensburg haben gewagt, was andere schaudern lässt: Erst Haus verkauft, dann auch die Mietswohnung aufgegeben – und das alles für ihren Reisetraum. Seit März 2019 nennen sie einen Steyr Excap ihr Zuhause und startetet kurz darauf ihre Weltreise. Die Reiseplanung begann Mitte 2019 zunächst zu zweit, bis der Fund eines Kartons mit Welpen in Griechenland alles ändern sollte. Doch lest selbst, was die beiden Regensburger über ihre Reisepläne und ihr Expeditionsmobil Steyr Excap 12M18 zu berichten haben…

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Kurz und knapp in Zahlen...
so alt sind wir beide zusammengerechnet: 102 Jahre
so lange kennen wir uns schon: 26 Jahre
so lange campen wir bereits gemeinsam: 24 Jahre
so lange besitzen wir unser derzeitiges Fahrzeug: 3,5 Jahre

Unser Fahrzeug im Steckbrief...
Marke, Modell und Motorisierung: Steyr Excap 12M18
Gesamtgewicht reisefertig: ca. 10,5 t
Baujahr: 1987
KM-Stand: 149.000
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Steyr Excap 12M18 Expeditionsmobil auf Weltreise

Der Anfang: Wie der Traum von der Weltreise begann

Anja und Jochen, wo und wie habt ihr Silvester dieses Jahr erlebt?

In Griechenland am Strand, schlafend, mit 2 Welpen an Bord.

Doch beginnen wir mal von vorne. Wie wurde die Idee „Weltreise“ geboren?

Wir hatten schon seit wir uns kennen den Wunsch, irgendwann noch etwas anderes zu machen, als in unseren Jobs alt zu werden. Ideen gab es viele, aber es hat dann doch über zwanzig Jahre gedauert, bis wir in die konkrete Umsetzung gegangen sind. Im Juni 2016 haben wir dann den LKW gekauft und ab diesem Zeitpunkt lief das Projekt „Weltreise“.

Welche Länder stehen auf eurem Reiseplan und wann plant ihr die Rückkehr nach Deutschland?

Wir waren bereits in Norwegen und sind über Russland und das Baltikum zurück nach Deutschland gefahren. Hier in Griechenland wollen wir überwintern und eigentlich war dann geplant, über Bulgarien und Rumänien in die Ukraine zu fahren, wo unser Kabinenbauer seinen Sitz hat. Es müssen noch ein paar Kleinigkeiten nachgebessert werden.

Weiter war geplant, entweder über Russland oder die Türkei nach Georgien, Armenien und Aserbaidschan zu fahren und dann Iran, die Stan-Länder und in die Mongolei zu bereisen. Wie gesagt: war geplant. Seit 22.12.19 sind wir zu viert im LKW, bis Silvester waren wir sogar zu sechst. Wir haben in Kakovatos am Strand vier ausgesetzte Welpen in einer Pappschachtel gefunden, von denen wir zwei behalten haben. Die anderen beiden wurden über die lokale Tierhilfe bereits vermittelt. Daher steht nun zunächst mal die Erziehung der Welpen auf dem Plan. Bis die Beiden reisetauglich sind und alle Impfungen haben, werden wir auf jeden Fall in Griechenland bleiben.

Mit Hundewelpen auf Weltreise

Mit zwei Hundewelpen auf Weltreise

Seit Mitte 2019 seid ihr nun auf Achse und teilt eure Erlebnisse auf eurem Facebook Profil @oskarunterwegs und eurer Webseite. Wie habt ihr persönlich den Aufbruch erlebt, fiel es euch (emotional) schwer, euren Haushalt in Deutschland aufzulösen?

Nein, im Gegenteil. Die Reduzierung des Haushalts verlief bei uns ja in zwei Etappen. Erst Haus verkaufen und in eine kleinere Mietwohnung umziehen und dann zwei Jahre später auch die Mietwohnung auflösen. Beides war immer sehr befreiend für uns. Sobald man anfängt, Dinge loszulassen, merkt man, wie wenig davon wirklich wichtig ist.

Die Abreise selbst war dann relativ unspektakulär. Verabschiedungen von Familie, Freunden, Bekannten und dann fährt man endlich los. Die ganze Tragweite dieses Moments wird einem erst später so richtig bewusst.

Das Fahrzeug: Ein Steyr 12M18 als Weltreisemobil

Ihr habt einen Steyr 12M18 zu eurem Weltreisemobil auserkoren. Wieso ausgerechnet dieses Fahrzeug?

Zu der Zeit, als wir beschlossen hatten, uns einen LKW anzuschaffen, hatten wir keinen bestimmten Typ im Auge und waren uns auch über die Größe noch nicht wirklich im Klaren. Wir haben verschiedene Gebrauchte angeschaut, nur Fahrgestelle und auch mit bereits ausgebauten Wohnkabinen, aber so richtig überzeugt hat uns nichts.

Über die Blogs anderer Reisender stieß man immer wieder auf die gleichen Fahrzeugtypen: von den alten Mercedes 911 Rundhaubern, über die Mercedes 917/1017, diverse MAN und eben den Steyr 12M18 von den Österreichern. Ein Fahrgestell komplett selbst zu restaurieren, war aber bei uns weder logistisch noch vom Know-how her möglich.

Auf der Abenteuer&Allrad in Bad Kissingen sind wir dann auch auf die Excap gestoßen und ausschlaggebend für den Steyr/Excap war dann letztendlich, dass wir eine möglichst solide Basis für unser Weltreisemobil wollten. Der Excap schien da die beste Option zu sein aufgrund der robusten Steyr Technik und der kompletten Überarbeitung durch Excap.

Steyr Excap 12M18 Fahrgestell

Wie verlief Kauf und Überführung bei Excap? Wieviel Zeit muss ein Käufer einplanen, bis er sein Fahrzeug in Empfang nehmen kann?

Kauf und Überführung waren unproblematisch. Wir haben den Excap in Auftrag gegeben und nach ein paar Wochen kam dann die Meldung, dass „unser“ Steyr jetzt vor Ort sei. Wir haben von der Bestellung bis zur Auslieferung gute eineinhalb Jahre gewartet, also von Juni 2016 bis Ende Februar 2018. Über die aktuellen Wartezeiten kann ich nichts sagen, wird aber wohl eher noch länger sein.

Der Wohnkoffer: Das Zuhause auf vier Rädern

Erzählt uns doch mal ein wenig über euren Aufbau. Was war euch besonders wichtig für eure Weltreise?

Wichtig war uns vor allem, einen Koffer bauen zu können, in dem sich auch auf Dauer leben lässt, nicht nur für ein paar Wochen. Das war letztendlich auch der Grund für die Größe des Fahrzeugs insgesamt. Darüber hinaus wollten wir in möglichst allen Bereichen so gut es geht autark sein, also vor allem Wasser und Strom.

Steyr Excap 12M18 Expeditionsmobil

Hier mal die Eckdaten: der Koffer ist 4,72m lang, 2,50m breit und 2,19m hoch. Wandstärke 6cm, GFK-Sandwich. Knapp 400 Liter Frischwasser, ca. 550 Liter Dieseltanks, 90 Liter Gastank, Diesel-Wasser-Heizung mit 3 Heizkörpern und Fußbodenheizung, Warmwasser über die Heizung oder elektrisch, Elektrik s.u. Für die Wasseraufbereitung haben wir eine Filteranlage von famous-water mit zwei Keramik-Filtern und zwei Aktivkohle-Filtern plus einen UV-Filter. Wir filtern das Wasser bereits beim Tanken (mechanisch und UV oder nur UV, je nach Wasserqualität) und bei der Entnahme läuft es nochmals über den UV-Filter.

Die Raumaufteilung ist eher klassisch, mit dem Unterschied, dass wir das Bett mit 1,60m Breite in Längsrichtung haben, wodurch sich natürlich ein paar Eigenheiten im Grundriss ergeben: riesiger Stauraum unter dem Bett und viel Platz neben dem Bett, der sinnvoll genutzt werden muss. Das Bad wurde dafür minimal klein, wobei die oft gesehene Lösung mit der Duschtasse im Eingangsbereich für uns nie in Frage kam.

Steyr Excap 12M18 Ausbau Wohnkoffer

Habt ihr den Koffer komplett selbst ausgebaut?

Wir haben den Koffer komplett selbst geplant, vom Kabinenbauer die Leerkabine nach unseren Plänen bauen lassen und dann den Innenausbau selbst gemacht… mit freundlicher Unterstützung durch Verwandte und Bekannte vom Fach, vor allem bei den Möbeln und der Heizung. Einzig für die Elektrik haben wir professionelle Hilfe in Anspruch genommen und auch das hätten wir mal besser selber machen sollen…

Steyr Excap 12M18 Bau der Möbel

Auf Reisen: So lebt es sich auf 11qm

Wie sind eure ersten Reiseerfahrungen mit dem Steyr Excap – zufrieden mit eurer Wahl? Würdet ihr am Aufbau nachträglich nochmal etwas ändern?

Zufrieden mit dem Steyr auf jeden Fall, mit dem Excap etwas weniger, weil auf den ersten paar Tausend Kilometern doch viele kleine und auch größere Defekte auftraten, von denen wir dachten, dass es genau diese Probleme bei einem generalüberholten Excap nicht gibt: Wasser im Fußraum, Türgriff gebrochen, Scheibenwischer/Blinkerstock defekt, Auspuffaufhängung gebrochen, Kühler undicht, Fensterheber kaputt, Bremssattel fest und die defekte Dichtung zwischen Motor und Krümmer, die uns in Norwegen nicht nur 10 Tage unserer Reise gekostet hat, sondern auch jede Menge Geld.

Ein Teil der kleineren Defekte wurde dann zwar kostenfrei bei Excap repariert, aber dafür mussten wir eben nochmal zurück nach Deutschland, was zunächst so nicht geplant war. Der undichte Kühler und das Problem mit der Bremse haben wir erst hier in Griechenland bemerkt und selbst repariert.

Steyr Excap 12M18 mit Aufbau

Mit dem Aufbau ist es wie mit allen Projekten: sobald man fertig ist weiß man, was man anders machen würde. Bei uns ist es vor allem die Elektrik bzw. die Batteriekapazität. Wir hatten uns für eine 12V-Installation entschieden und entsprechend dem Konzept unseres Elektrofachmanns eine LiFePO4-Batterie mit 360Ah/5Kwh eingebaut. Dazu 3 große Solarpanels mit je 335Wp auf dem Dach und einen Ladewandler/Booster, der während der Fahrt die Batterie lädt. Im Sommer reicht das ohne Probleme. Im Herbst/Winter, bei schlechtem Wetter oder auch hoch oben im Norden, wird es dann schnell mal eng mit dem Strom. Spätestens nach 2 Tagen müssen wir entweder wieder ein Stück fahren oder Strom von außen anzapfen, also Campingplatz anfahren o.ä. Das werden wir vermutlich noch ändern

Wie lebt es sich zu zweit auf 11qm?

Super! Wir haben alles, was wir brauchen und vermissen nichts. Die Raumaufteilung hat sich bestens bewährt und ein Großteil des Lebens findet eh draußen statt. Aber wir hatten auch schon Schlechtwetterphasen, die wir problemlos drinnen verbracht haben. Übrigens ohne Fernseher…

Der Ausblick: Wer weiß schon, was die Zukunft bringt…

Plant ihr, etwas Geld unterwegs zu verdienen, oder lebt ihr rein von euren Ersparnissen?

Wir leben momentan von unseren Ersparnissen, werden uns aber früher oder später auch wieder ums Geld verdienen kümmern müssen. Wo und wie das dann geschehen wird wissen wir bis jetzt noch nicht, weil wir auch nicht wissen, wie lange wir unterwegs sein werden und wo uns die Reise noch hinführt. Dass es sowieso immer anders kommt als man denkt, haben uns die Welpen jetzt deutlich vor Augen geführt.

Auch wenn es noch etwas hin ist: wie sieht euer Leben nach der Rückkehr aus? Habt ihr hierfür schon Pläne geschmiedet?

Nein, einen Plan dafür haben wir noch nicht, denn das war auch immer der Plan, keinen Plan zu haben. Wir wollen diese Auszeit genießen so wie sie ist und so lange sie eben dauert. Über das danach werden wir uns Gedanken machen, wenn es soweit ist. Was wir jetzt schon sagen können ist, dass wir sicher nicht in ein Leben wie unser Bisheriges zurückkehren werden.

Auf Weltreise

Ein Tipp an unsere Leser/innen, die ihre Weltreise gerade planen: Was möchtet ihr uns gerne mit auf den Weg geben?

Egal wie, einfach machen! Wir haben inzwischen so viele ältere Menschen getroffen, die uns gesagt haben, dass sie zu lange damit gewartet hätten und es jetzt zu spät für sie sei. Wenn man es wirklich will findet sich immer eine Möglichkeit und sei es nur für eine kürzere Auszeit.

Das Interview führte Clemens von 1camper. Die Bilder wurden freundlicherweise von Anja und Jochen zur Verfügung gestellt.