Die Renaissance des Campings in der zahlungskräftigen Mittelschicht lässt Preise für Fahrzeuge, Ausrüstung und Stellplätze steigen. Mit ein paar Tricks kannst du dem Glamping Trend trotzen: Vorausschauende Planung und ein wohl überlegtes Kaufverhalten sind das A und O des Budget Campers. 

Es ist nur wenige Jahre her, da galt das Campen noch als die preiswerteste Form des Urlaubs. Besonders bei Rentnern mit spärlichen Einkommen und ewig klammen Familien war das Reisen mit dem Wohnwagen eine günstige Alternative zu den klassischen, teuren Pauschalreisen. Zu den sonnenverwöhnten Traumziele nach Italien, Frankreich, Kroatien oder Spanien reiste man eben mit den eigenen vier Wänden.

Leider hat sich die Situation in den letzten Jahren spürbar gewandelt. Für einen Campingurlaub können Reisende mittlerweile genauso tief in die Tasche greifen, wie für einen Pauschalurlaub im Hotel.

Seit es die nahezu grenzenlose Freiheit und Individualität des Campens auch auf höchstem Sicherheits– und Komfortniveaus gibt (“Glamping”), finden zunehmend auch höhere Einkommensschichten gefallen am Camping. Sie tauschen gerne die unpersönlichen Hotelzimmer gegen den eigenen Wohnwagen oder das eigene Wohnmobil aus. Das haben viele Reiseveranstalter und Campingplatzbesitzer erkannt und ihre Angebote dementsprechend preislich nach oben hin angepasst.

Der Preisruck im Camping geht zum Leidwesen vieler Camper mit schmalem Geldbeutel. Nach wie vor haben leidenschaftliche Camper aber die Möglichkeit, ihre Wunschtouren auch mit kleinem Budget zu bestreiten. Entscheidend sind dabei aber immer mehr eine detailliert Planung und effektive Organisation.

Alte Wohnwagen bereits ab 3.000 EUR

Richtig viel Geld können Camper natürlich beim Kauf des Wohnwagens sparen. Generell ist es sinnvoller, einen Wohnwagen anstatt eines Wohnmobils zu kaufen – zumindest dann, wenn ohnehin ein Fahrzeug mit Anhängerkupplung zur Verfügung steht. Wohnwagen sind wartungsärmer und deutlich günstiger als vergleichbare Wohnmobile.

Bevor der Wunschwagen fabrikneu für 20.000 Euro und mehr angeschafft wird, sollte man sich auf dem Gebrauchtwagenmarkt umschauen. In der Regel pflegen Camper ihre Wohnwagen liebevoll. Das führt dazu, dass gebrauchte Wohnwagen günstig angeboten werden, die auch nach zehn und mehr Jahren noch in einem tadellosen Zustand sind. Gebrauchte Wohnwagen in akzeptablem Zustand gehen bereits bei rund 3.000 EUR los.

Besondere Schnäppchen sind zu erzielen, wenn der Kauf nach der Campingsaison stattfindet. Die Nachfrage ist dann in der Regel gering und die (insbesondere privaten) Verkäufer sind zu höheren Nachlässen bereit. Der Wohnwagen soll schließlich nicht noch im Winter untergestellt werden.

Ein gewisses Maß an Erfahrung sollten Camper beim Kauf von gebrauchten Wohnwagen aber haben. Schwarze Schafe gibt es leider auch unter Campingfreunden. Schnell kann sich ein vermeintliches Schnäppchen als Kostenfalle herausstellen. Wer sich nicht sicher ist, sollte einen erfahrenen Camper bei der Begutachtung des Kaufobjekts mitnehmen. Auf folgende Punkte sollte aber immer geachtet werden:

  • Hat der Wohnwagen einen gültigen TÜV- und Gasprüfungsnachweis?
  • Sind der Unterboden, die Deichsel und die Achse rostfrei?
  • Sind Fenster, Türen und Klappen dicht und ordentlich verschließbar?
  • Funktionieren alle elektrischen Teile im und außerhalb des Wohnwagens?
  • Funktionieren alle wasserführenden Teile und sind dies dicht, inkl. Toilette?
  • Funktionieren alle gasbetriebenen Geräte (z.B. Herd und Heizung)?

Wer diese Kriterien beherzigt und ein wenig Geduld für die Suche eines geeigneten Objektes mitbringt, kann noch viele Jahre Freue an seinem gebrauchten Wohnwagen haben.

Hochwertige Ausrüstung günstig kaufen

Ähnlich wie beim Wohnwagen versteckt sich in der Ausrüstung ebenfalls ein hohes Maß an Einsparpotential. Campingstühle, Tische, Stauschränke und das Vorzelt fressen einen großen Teil des Camperbudget. Auch hier sollte das Prinzip des antizyklischen Einkaufs genutzt werden. Nach der Campingsaison müssen die Fachhändler ihre Lager räumen, um Platz und Geld für die neuen Kollektionen der kommenden Saison zu haben. Das führt zu satten Rabatten von nicht selten 30 Prozent und mehr.

Auktionsplattformen und Kleinanzeigen-Märkte sind zudem gute Anlaufstellen für gebrauchte Ware aus privater Hand. Häufig werden Campingartikel bereits nach einer Saison wieder verkauft, weil sie dem Besitzer nicht gefallen oder nicht passen. Nicht vergessen: Ein paar Euro Nachlass lässt sich bei privaten Kleinanzeigen immer raushandeln. Einfach mal einen fairen Preisvorschlag machen.

Schnäppchen in der Nebensaison buchen

Die teure Hauptsaison erstreckt sich in der Regel über die Zeiten der Schulferien der reisefreudigen Länder. Die Nachfrage nach Campingplätzen oder Mietfahrzeugen ist dann am größten und somit leider auch der Preis entsprechend hoch

Wer beim Campingurlaub sparen möchte, sollte die Tour außerhalb der Hauptsaison planen. Eine vierköpfige Familie, die den Urlaub in der Nebensaison plant, kann durchaus rund 20 bis 30 Prozent günstiger wegkommen. Wer also noch keine schulpflichtigen Kinder hat, sollte die Preislisten der Campingplatzanbieter genauesten prüfen – oder einfach mal beim Betreiber nachfragen. Das gilt übrigens insbesondere auch für Mietfahrzeuge. In der Nebensaison haben die Verleiher in der Regel besonders attraktive Angebote.

Häufig reicht es schon, nur eine Woche später als geplant, die Fahrt anzutreten. Wem das Studium der Preislisten zu mühsam ist, findet im Internet einige Vergleichsportale, die bei der Suche nach den günstigsten Reiseterminen hilfreich zur Seite stehen.

Frei stehen spart Geld und ermöglicht neue Erfahrungen

In den meisten Ländern Europas ist das frei stehen außerhalb von offiziellen Campingplätzen zumindest für eine Nacht gestattet. Der Gesetzgeber möchte damit bewirken, dass nicht unnötig lange Strecken gefahren werden und die Reisenden ausreichend Möglichkeiten zur Erholung von einer langen Fahrt erhalten.

Erkunde dich also vor Fahrtantritt, in welchen Ländern diese Regelung zutrifft und welche Einschränkungen gelten. Vorort sollte auf Verbotsschilder Rücksicht genommen werden. Es versteht sich zudem von selbst, dass der nächtliche Stellplatz sauber hinterlassen wird.

Frei stehen mit dem Wohnmobil oder Wohnwagen reduziert die auf deiner Reise anfallenden Kosten für Übernachtungen auf Campingplätzen. Es ist zudem eine gute Möglichkeit, um die Natur in dem Reiseland besonders intensiv kennen zu lernen.

Mautgebühren und Spritkosten reduzieren

Wer in den sonnigen Süden Europas möchte, dem bleiben die mindestens 2.500 Kilometer Reiseweg für die Hin- und Rückfahrt leider nicht erspart; die dabei entstehenden Kosten leider auch nicht. Eine gut überlegte Wahl des Reiseziels kann den Geldbeutel spürbar entlasten.

Vor dem Antritt der Reise ist unter anderem die Recherche der Spritpreise in den zu durchquerenden Ländern sinnvoll. Von Land zu Land gibt es große Preisunterschiede. Es macht also durchaus Sinn, zu prüfen, ob ein schönes Reiseziel entlang einer günstigen Spritpreisroute zu erreichen ist.

Zumindest sollten aber die Tankstopps vorab entsprechend der Spritpreise geplant werden. Aktuell ist zum Beispiel der Liter Super Benzin in Österreich mit 1,33 Euro ganze 0,27 Euro günstiger, als in Deutschland (laut ADAC, Stand 18.11.18). Das macht bei einem 60 Liter Tank über 16 Euro Ersparnis aus. Dies sollte vor Grenzübertritt natürlich berücksichtigt werden.

Nicht zu unterschätzen sind auch die Kosten für die Straßenmaut. Viele Länder lassen sich die Nutzung von Straßen und Tunneln mit nicht unerheblichen Gebühren teuer bezahlen. Daher macht es Sinn, bei der Wahl des Reiseziels und möglicher Routen, die unterwegs anfallenden Mautgebühren mit in die Waagschale zu werfen. Insbesondere bei Tunneln und Brücken kann die Maut häufig “umfahren” werden. Auch hier kann ein Blick vorab ins Internet durchaus helfen (z.B. auf adac.de).

Camping Verpflegung vorausschauend kaufen

Vor allem Familien wissen aus eigener Erfahrung, dass Urlaub hungrig macht. Nicht selten ertönt nach nur zehn Kilometer Reiseweg zum ersten mal von der Rückbank: „Ich hab’ Hunger!“. Aber auch im Laufe des Urlaubs ist dank der vielen Aktivitäten an der frischen Luft der Appetit spürbar stärker, als zu Hause. Die doppelten Portionen sowie die gelegentlichen Snacks und Getränke belasten das Campingbudget.

Gerade die Supermärkte in der Nähe von Campingplätzen und Freizeiteinrichtungen haben ihre Preise an das Einkaufsverhalten spendierfreudiger Camper angepasst. Wer sich aber richtig auf den Reisehunger vorbereitet, kann durchaus viel Geld sparen. Wichtig ist dabei, nicht alle benötigten Speisen und Getränke an erstbester Stelle vor Ort zu kaufen.

Kekse, Süßigkeiten und Knabbergebäck sollten schon Wochen vor Reisebeginn zu Hause gekauft werden. Wer schlau ist, nutzt Angebote und Aktionen aus der Werbung. Dies gilt auch für gut lagerfähige Lebensmittel, wie etwa Nudeln, Kaffee, Konserven, Getränke oder Gewürze. Ein ganz praktischer Tipp: Viele Speisen können wunderbar vorab in Dosen oder Gläsern eingekocht werden. Etwa Nudeln mit Tomatensoße, Reisgerichte oder Suppen. Das spart Geld und Zeit im Urlaub.